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2. April 2004

1. Quartal - Ein Sturm ist im Anzug: Wahlkampfsgerede oder Fundamentale Probleme?


Bush ist schwach; Greenspan verlangt die Rückkehr der Vernunft in die Staatsfinanzen, überstimuliert jedoch den Konsumenten; Gold steigt gegenüber allen Währungen; Die Börsen scheinen erschöpft zu sein; wir sind besorgt, sehen jedoch Chancen.

Bushs Entscheidung, die Terrorbekämpfung zentrales Thema seines Wahlkampfes zu machen erweist sich als problematisch. Richard Clarke, Sicherheitsberater von George W Bush und seiner drei Vorgänger, kritisiert Bush in der Öffentlichkeit auf mehreren Fronten: vor “9/11” habe Bush der Gefahr nicht genügend Aufmerksamkeit gewidmet; dass er einen unnötigen und teuren Krieg im Irak angefangen habe, der die fudamentalistische, radikal-islamische Terrorbewegung stärkt. Mit jedem Angriff der Bush Administration wird der renomierte Clarke stärker. Wir sehen Parallelen zum ehemaligen US Schatzmeister Paul O’Neill – beide sind Republikaner: Bush konzentriert sich so sehr auf seine Ziele, und hört dabei nicht auf intelligente und renomierte Berater. Ausser sie sagen etwas, was Bush hören möchte. O’Neill hat verzweifelt versucht, die Regierung Bush zur Mässigung bei den Staatsfinanzen aufzurufen; Clarke hat versucht, Bushs Aufmerksamkeit auf den Terrorismus zu lenken; erst der 9. September liess Bush die Gefahr des Terrorismus ernst nehmen. Vor ein paar Wochen sind wir näher auf O’Neill eingegangen (hier klicken).

Inzwischen knüpft Greenspan dort an, wo O’Neill versagt hat. Er hat den Kongress gewarnt: “Das Ungleichgewicht im Haushaltsdefizit, sofern es nicht bald in den Griff gebracht wird, wird ernsthafte langfristige Probleme bereiten [..] Ohne Korrekturen wird diese Entwicklung deutlichen Druck auf unsere Flexibilität geben, auch nur die minimalen staatlichen Dienstleistungen anzubieten [..]das Haushaltsdefizit könnte schon in relativ naher Zukunft Schwierigkeiten bereiten.” – klicken Sie hier eine detallierte Analyse seiner Kommentare. Anstatt jedoch Finanzdisziplin anhand verschiedener Werkzeuge aus seinem Arsenal zu erzwingen, versucht er mit allen Mitteln die Wirtschaft anzutreiben. Vor ein par Wochen liess er Hauseigentümer wissen, dass sie mit kurzfristigen Darlehen besser bedient wären – einen Kommentar, den wir als höchst unverantwortlich anprangerten; nach unserer Veröffentlichung (hier klicken) erhielten wir Anrufe des Wall Street Journal und wurden dort in der ‘Foreign Exchange’ Sektion zitiert (hier klicken).

Zu den Wechselkursen: Japans extreme Käufe von US Staatsanleihen wurden zu Jahresanfang weitergeführt – $70 Millarden im Januar, ca $90 Millarden dieses Jahr bis Februar. Es gibt Gerüchte, dass Japan seine Stützungskäufe reduziert hat, auf Grund von Sorgen, dass diese Politik in Japan inflationäre Verzerrungen bewirkt. Reduzierte japanische Stützungskäufe würden höhere US Zinsen bedeuten, und einen tieferen Dollar gegenüber dem Yen. In Europa ist die Stimmung schwach; kombiniert mit den Terroranschlägen in Spanien wird in der Europäischen Zentralbank (EZB) über eine Zinssenkung nachgedacht. Wir wurden von Dow Jones Newswire und Associated Press zitiert: “Wir glauben es, wenn wir es sehen” – dieses kurze Zitat beinhaltet einerseits, dass die EZB etwas Spielrraum für Zinssenkungen gewonnen hat, ohne dabei ihr Gesicht zu verlieren; andererseits gibt es ernsthafte Sorgen bei der EZB, dasss sie damit dem Abwertungswettbewerb beitreten. Vorläufig ist der Euro etwas schwächer. Wir sind auch besorgt über die Benennung von Horst Köhler, bis vor kurzem Chef des Internationalen Währungsfonds, als Bundespräsidentschaftskandidat. Während der Posten weitgehend zeremoniell ist, war eines seiner Hauptaufgaben, Regierungen in ihre Finanzpolitik hineinzureden, selbst (oder gerade dann) wenn seine Meinung nicht gewünscht war. Köhler lobte Japan vor kurzem für deren “increasingly proactive approach” – er unterstützt das grösste Gelddruckexperiment dort seit Zerstörung der Reichsmark. Sollte es zu einer Währungskrise kommen, dann glauben wir, dass Köhler, der Freund von EZB Chef Trichet ist, sich in die Politik einmischen und der Unabhängigkeit der EZB eine Schwere Niederlage bereiten wird.

Der Gewinner dieser Sorgen ist Gold. Während US-Dollar orientierte Anleger schon länger in den Genus steigender Goldpreise kamen, so bedarf es bis vor kurzem für Euro-orienterte Anleger einer Hebelwirkung, wie etwa durch investieren in Goldproduzenten. Aber wir sehen nun Anzeichen, dass sich der Goldpreis loslöst und gegen alle Papierwährungen steigt, weil dort die Inflation vorangetrieben wird. Alle Rohstoffe profitieren einerseits von schwächeren Währungen, und andererseits von der wirtschaftlichen Stimulation, die die Welt erlebt. China hat anfangen müssen, die Bremse ein wenig zu ziehen, um Inflation im Bann zu halten. Dennoch glauen wir, dass Asien’s wachtsum langfristig nicht zu stoppen ist, auch wenn es ein holpriger Weg sein dürfte.

Der massive wirtschaftliche Stimulus in den USA und Asien hat Überkapazitäten in der Welt geschaffen, die dafür Sorgen, dass Verbraucherpreise in den USA tief bleiben. Jedoch müssen Firmen, die auf immer teurer werdende Rohstoffe angewiesen sind, weiter Arbeitsplätze reduzieren, um wettbewerbsfähig zu sein. Die durch Bush (extreme Haushalts- und Leistungsbilanzdefizite) und Greenspan (künstlich tiefe Zinsen) verschärften Verzerrungen bewirken eine Beschleunigung der Transformation der US Gesellschaft. Die Herausforderung ist, dass selbst Dienstleistungsjobs nach Asien verlagert werden; die tiefen Zinsen fördern eine Investion in “Produktivität”, da Kapitalkosten stetig gesunken sind; andererseits sind Arbeitsplatzkoten gestiegen. Viele der Veränderungen können nicht vollständig verhindert werden, aber sie dürfen nicht auf Kosten fehlender finanzpolitischer Vernunft stattfinden. Die Kreditbewertungsfirma Standard and Poors hat gerade gewarnt, dass Industrieländer vernichtende Schulden haben werden, falls die Regierungen nicht schwierige Abstriche in den Sozialausgaben in den nächsten Jahren beschliessen. Regierungen müssen die Zeit jetzt dazu verwenden, sich auf die Pensionierung der ‘Baby Boomers’ vorzubereiten, und nicht darauf, die Verbraucher weiter in Schulden zu jagen, nur um die US und die Weltwirtschaft voranzutreiben.

Die Börsen ihrerseits geben Anzeichen, dass sie erschöpft sind, nach den beindruckenden Gewinnen von 2003. Kombiniert mit den oben aufgeführten Bedenken, glauben wir, dass wir in einer ähnlichen Situation wie 1973 oder 1930 sein könnten; in beiden Fällen sahen wir auch dramatische Erholungen nach schmerzhaften Kursverlusten an den Börsen. Aber in beiden Fällen war das aboslute Tief an den Börsen ein paar Jahre später. Nachdem die Börsen heute nicht billig sind, und auf Grund der angegebenen Sorgen, haben wir es als vernünftig angesehen, den Aktienanteil in unseren Portfolios deutlich zu reduzieren.

Die Industrieländer haben einen Wettkampf mit Asien, bei dem Asien die besseren Karten hat. Die Gewinner des Kampfes werden Rohstoffe sein, von Edelmetallen zu industriellen Metallen, von Energie zu agrarwirtschaftlichen Rohstoffen. Die Financial Times schreibt, dass China nun mehr Stahl als die USA und Japan zusammen produziert; China ist nun der zweitgrösste Importeur von Öl, nach den USA, vor Japan. Letztes Jahr hat China 40% der Weltzementproduktion konsumiert. Chinesische Exporte wuchsen letztes Jahr um 50% auf $480 Milliarden. Von allen Rohstoffen ist Gold jenes, das am wenigsten industriellen Zyklen ausgesetzt ist, unsere derzeit bevorzugte Investition.


Nach Fertigstellen dieses Schreibens wurden die neuesten Arbeitslosenzahlen in den USA veröffentlicht: die USA scheint endlich starke Wachstumszahlen am Arbeitsmarkt aufzuweisen. Langfristige Zinsen sind daraufhin in die Höhe geschnellt. Dies könnte das Signal des Endes der US Immobilienblase sein. US Verbraucher werden auch sehr sensibel auf höhere Zinsen reagieren; Firmen, die nicht direkt dem US Verbraucher ausgesetzt sind, werden weniger stark betroffen sein.


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Axel Merk
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