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18. April 2005
Die U.S. Zenralbank Fed: Wenn Trug wichtiger als Wirklichkeit ist
Der ehemalige U.S. Finanzminister (U.S. Treasury Secretray) Paul O'Neill schrieb letztes Jahr in seinem Buch, dass er den ganzen Tag über den Fernsehender CNBC, der durchgehend Börsennachrichten ausstrahlt, in seinem Büro verfolgt hätte. Ein Finanzminister soll und darf natürlich die Nachrichten verfolgen, aber er ist derjenige, der die Quelle von Nachrichten sein sollte, anstatt diese fortlaufend zu konsumieren. Sein Nachfolger ist weder Quelle von Nachrichten, noch verfolgt er diese, was auch nicht sehr ermutigend ist.
Währenddessen hat die U.S. Zentralbank Federal Reserve daran gearbeitet, "transparenter" in seiner Öffentlichkeitsarbeit zu sein, um Ihre Absichten besser zu kommunizieren. Guten Absichten folgen leider nicht immer gute Resultate. Wie aus den Protokollen der Sitzungen (FOMC minutes) deutlich wird, ist ein immer grösserer Anteil der Sitzungen der Frage gewidmet, wie die Öffentlichkeit ihre Aussagen aufnehmen wird.
Dies hat zwei Folgen: zunächst einmal verdeutlicht es den immer grösseren Einfluss von Fed Governor Ben Bernanke, der bei fast jeder Rede betont, dass Zinspolitik am besten mit Worten betrieben wird, indem die richtigen Signale zur richtigen Zeit gegeben werden. Während die Zentralbank kurzfristige Zinsen setzt, so werden langfristige Zinsen vom Markt diktiert. Bernanke ist davon überzeugt, das die gesamte Zinskurve (kurz- bis langfristige Zinsen) gesteuert werden kann und auch soll. Auch wenn Bernanke zunächst seinen Job als Governor aufgeben wird, um 'Chief Economic Advisor' von Bush zu werden, so wird sein Einfluss weiter zunehmen; wir glauben weiterhin, dass er als Nachfolger von Greenspan wahrscheinlich ist.
Die andere Folge ist, dass die Hüter des Finanzsystems immer mehr davon geleitet werden, wie ihre Politik wahrgenommen eventuell wahrgenommen werden könnte. Dies ist ein Rezept für eine Katastrophe: es unterscheidet sich nicht von sogenannten Börsenexperten, die Aktien nur deswegen empfehlen, weil sie günstiger "relativ" zu anderen Aktien sind, anstatt ihre Bewertung auf fundamentale Werte zu stützen. Es ist auch nicht anders als Grundstückmakler, die behaputen, Immobilienpreise können nie fallen, da sie langfristig "immer" nach oben gehen. Dieses Mal haben Fed und US Regierung künstlich den Konsum nach dem Platzen der "dot-com" Blase aufrecht erhalten, und es ist gut möglich, dass ein fallender U.S. Dollar diese Blase platzen lassen wird. Wenn die Zinskurve in ein Korsett gedrängt wird, so wird ein anderes Ventil den Markt regeln. Wenn die Steuerung einer labilen Psychologie wichtiger wird als Fakten, dann haben wir ein Problem.
Greenspan hat Angst, da er sieht, dass Inflation im Anzug ist, aber er kann Zinsen nicht aggressiv anheben. Auf Grund der hohen Schulden, insbesondere beim Konsumenten, würde die Wirtschaft zusammenbrechen. Das Protokoll der letzten Situng der Fed gibt an, Inflation sei schlimmstens ein kurzfristiges Problem. Lohnforderungen, die letztes Jahr zum ersten Mal seit einem Jahrzehnt fielen, sind auf Grund der aggressiven Job- und Produktionsverlagerung nach Asien eher bescheiden. Aber Inflation sickert langsam überall durch, nicht nur im Gesundheits- und Bildungswesen. Der einzige Grund, Inflation herunterzureden ist, eine Entschuldigung zu haben, Zinsen nicht aggressiver anheben zu müssen; Greenspan braucht eine Enschuldigung, den Konsum aufrecht erhalten zu können.
Inzwischen werden die globalen Ungleichgewichte immer deutlicher. General Motors und Ford, die Firmen, die am sensibelsten auf Schwankungen im Konsum reagieren, können ihre Verkaufszahlen nicht mehr erreichen, und ihre Schulden werden voraussichtlich bald als "Junk" gehandelt werden, der Kategorie, die für Firmen reserviert ist, deren Überleben fragwürdig ist. Im internationalen Handel eskalieren verschiedene Konflikte, vom Subvenitonsstreit zwischen Boeing und Airbus zum Textilimport-Streit zwischen China und USA. Während die US voraussichtlich den Import von Textilien aus Asien drosseln wird, um die heimische Industrie zu schützen, so wird China künftig vorschreiben, dass Technologie, die an die chinesische Regierung verkauft wird, zu einem grossen Teil in China entwickelt werden muss. Es scheint, dass die USA vorerst die Textilschlacht gewinnen, aber den "High-tech-Krieg" verlieren. Handelskämpfe können ein instabiles System kollabieren lassen, genau wie die Depression der 1930'er jahre durch Handelsdispute verschärft wurde. Das derzeitige Umfeld hat sicherlich die Charakterzüge von Instabilität.
Bitte nehmen sie mit uns Kontakt auf, wenn wir Ihnen Fragen beantworten können.
Axel Merk
Merk Investments
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